Mit 40 noch tätowieren lassen? Bist Du dafür nicht etwas zu alt? Hätte nicht etwas Kleines gereicht?

Ganz ehrlich? Nö. Ich finde es genau zum richtigen Zeitpunkt. Vorher bin ich gar nicht auf die Idee gekommen. Mittlerweile ist es ja eher eine Ausnahme, nicht tätowiert zu sein und lange Zeit wollte ich nicht auch noch eine Nachmacherin sein. Mit 16 war ich ganz verrückt nach einem Piercing gewesen und ließ es mir auf der Reeperbahn, von einem verschwitzten, fettleibigen Piercer im Feinrippunterhemd stechen. Vier Monate hat die Wunde geeitert. Aber ich trage es immer noch. Aber zurück zu meinem Tattoo. Die Zeiten, wo man ein Tattoo mit einem Schwerstverbrecher in Zusammenhang brachte, sind längst vorbei. Mütter und Väter tragen jetzt mit Stolz den Namen oder die Geburtsdaten ihrer Kids mit Vorliebe auf demUnterarm. Einhornbegeisterte lassen sich das Fabelwesen auf den Oberarm stechen. Und Klassiker wie Rose, Tribal oder Totenkopf sterben nie aus. Mir fiel die Entscheidung leicht: ich komme aus dem Norden und wollte einen Anker plus Anfangsbuchstaben meiner Mädchen aufs Schulterblatt. Der Tätowierer meiner Wahl holte mich ganz schnell auf den Boden der Tatsachen, als wir uns zum Beratungsgespräch trafen. Anker sei gerade voll die Modeerscheinung und ob ich nicht etwas einfallsreicher wäre. Einen Monat hatte ich Zeit zum Überlegen und dachte über mein persönliches Motiv nach. Worauf bin ich stolz? Was möchte ich zeigen?

„Ich bin sehr stolz auf meinen Vater. Er hat U-Boote konstruiert und hat an vielen Tauchbooten, für verschiedene Länder mitgewirkt. Ist häufig auf Probefahrten gewesen. Mein Tattoo ist eine Hommage an meinen Vater, der leider viel zu früh an den Folgen eines Unfalls gestorben ist. Und ich konnte idealerweise auch noch die Anfangsbuchstaben meiner Kinder mit einbringen.“

Ich habe dann nach U-Boot Tattoos als Vorlage gegoogelt, aber es schien kein geläufiges Motiv zu sein. Ein Foto diente dann als Vorlage und mein Tätowierer stand vor einer neuen Herausforderung. Ein U-Boot hatte er noch nicht tätowiert.

Das linke Schulterblatt ist bewußt gewählt. Die linke Seite ist die Herzseite und ich wollte meine Körperbemalung nicht schon beim Aufwachen sehen. Meine Befürchtung war, dass ich mich schnell satt sehe. Eine Uhr oder Armkettchen kann man austauschen. Ein Tattoo bleibt. Ich kann anhand meiner Kleidung entscheiden, ob ich es zeigen möchte (vielleicht auch nur den Ansatz und die Frage entsteht, wie sieht das Gesamtwerk aus?) oder es ist komplett verdeckt.

Tat es weh?

  • Heiliger Bimbam, wenn mir jemand vorher erzählt hätte, was mich erwartet, hätte ich dankend abgelehnt. Drei Stunden das fiese Kratzen einer Nadel auf der Haut. Danach war ich mit den Nerven am Ende. Am ganzen Körper gezittert. Fast zwei Wochen das Gefühl vom schrecklichsten Sonnenbrand überhaupt. Und eine Woche Juckreiz und man darf nicht kratzen.

Bereue ich es?

  • Nein.

Jetzt gibt es ja dieses Märchen: einmal ein Tattoo stechen lassen und Du willst sofort ein neues!

  • Leider wahr. Trotz der Schmerzen und den Nachwehen habe ich schon mein nächstes Tattoo geplant.

Was sagen Deine Freunde und Familie?

  • Die erste Reaktion von meinem besten Freund? Er ekelt sich. Zu groß. Zu viel. Ja…er hatte auch nur mit einem kleinen, süßen Anker gerechnet. Mittlerweile hat er sich daran gewöhnt und ich darf es auch zeigen.
  • Meine beste Freundin? „Ich bin so stolz auf Dich.“ ( Sie hat selbst drei Tattoos)
  • Meine Mutter? Sie ist total gerührt und möchte es sich am liebsten auch stechen lassen.
  • Meine Großeltern? Ähm…Themawechsel…habe es noch nicht gezeigt.
  • Die Kollegen? Finden es richtig gut und wollten die Adresse vom Tatowierer.

Meine Freundin (Ü 40) war freundlicherweise bereit, zu ihrem Tattoo ein Interview zu geben:

Wann hast Du beschlossen, dass Du Dir ein Tattoo stechen lassen möchtest? Warum nicht früher?

  • im Januar 2017
  • weil ich mit einem Moslem verheiratet war und so etwas ist verboten. ( Anmerkung: im islamischen Glauben ist der Körper nur „geliehen“ und man darf ihn selber nicht verändern)

Was bedeutet Dir Dein Tattoo?

  • Es ist der Name von meinem Lebensgefährten. Er ist mein Leben.

Hast Du Angst davor, dass Du Dein Tatto bereuen wirst?

  • Nein
  • Er ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Und wird es immer bleiben. Egal, ob wir uns mal trennen oder nicht.

Wonach hast Du Deinen Tatowierer ausgesucht? Empfehlung?

  • Spontan auf der Tattoo Messe.

Ganz ehrlich: tat es weh?

  • Nein.

Und hast Du auch weitere Tattos geplant? Wenn ja, wo?

  • Ja geplant. Ist aber geheim.

Was sagen Deine Freunde?

  • Sie beschimpfen mich, dass ich verrückt sei und lächerlich, idiotisch usw. Nur wenige sehen es positiv.

Wann hast Du Dein erstes Tattoo stechen lassen und wie war die Reaktion von Deinem Umfeld? Hast Du einen Beitrag dazu gepostet? Dann her mit dem Link.

Mein nächstes Thema ist übrigens Fremdgehen und Affäre. Du möchtest gerne über Dein kleines Geheimnis anonym berichten? Dann mail mir an: yoursecret.blog@web.de

Ein Gedanke zu „Ein Tattoo mit 40?

  1. Ob dein bester Freund damit leben kann, selle ich mal in Frage. Ist es nicht so, dass man in einer besten Freundschaft manchmal ein oder sogar zwei Augen zu drückt, um sie nicht zu gefährden?

    Auch ein Freund

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